Start in die schwäbisch-alemannische Fastnacht am Dreikönigstag

Die Narren sind los: Am Dreikönigstag (6. Januar) beginnt in vielen Orten Baden-Württembergs wieder die «Fünfte Jahreszeit» mit der schwäbisch-alemannischen Fastnacht, so das Baden-Württembergische Innenministerium in einer Pressemeldung.
Aktive aus mehr als 2.000 Narrenzünften machen sich zwei Monate nach dem Auftaktdes rheinischen Karnevals auf den Weg von Haus zu Haus und befreien wie etwa in Rottweil und Wellendingen Häs (Kostüm) und die hölzerne Maske (Larve oder Scheme) symbolisch vom Staub des Vorjahres. Am frühestens dran mit närrischen Aktionen sind nach Angaben des Fastnachtsexperten Wulf Wager die Cannstatter Narren, die schon um Punkt 06.00 Uhr morgens lautstark Fastnachtsstimmung verbreiten, Masken entstauben und Narrenbäume errichten wollen. Die meisten Narrenzünfte laden am Dreikönigstag zu Saalfeiern.
Örtliche Bräuche sehr unterschiedlich
«Die örtlichen Bräuche sind sehr unterschiedlich», sagte Wager. Wesen der Fastnachtstradition sei aber, dass diese Bräuche jedes Jahr auf gleiche Weise gefeiert würden. So beginnt die Fastnacht etwa in Markdorf, Meersburg (Bodenseekreis) und Pfullendorf (Kreis Sigmaringen) mit dem «Einschnellen», dem Knallen von Peitschen. In Stockach (Kreis Konstanz) tagt das Narrengericht und klagt prominente Politiker an - die Namen werden erst am Dreikönigstag verraten.
Ungefähr 100.000 Fastnachts-Aktive
Die Zahl der Aktiven schätzte Wager auf etwa 100.000. «Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Traditionen am Verschwinden, die Fastnachtsaktionen am Abklingen», sagte er. Seitdem aber habe die schwäbisch-alemannische Fastnacht einen großen Aufschwung erlebt. «Wir sind momentan im Zenit», sagte er. Die größte und älteste Vereinigung ist die 1924 in Bad Dürrheim (Schwarzwald-Baar-Kreis) gegründete Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN) mit rund 50.000 Mitgliedern. Wert legen die Fastnachtsfans auch auf ihre Bezeichnung: «Wir sind Narren und nicht Jecken», betont Wager. Die Jecken gehörten zum rheinischen Karneval.
"Schmotziger Dunschdig" als Höhepunkt
Der Höhepunkt in den Fastnachtshochburgen ist der "Schmotzige Dunschdig", der in diesem Jahr auf den 11. Februar fällt und mit dem die Fastnacht erst richtig losgeht. Zu den Höhepunkten am "Schmotzigen" gehört die Sitzung des "Stockacher Narrengerichts". Außerdem werden die traditionellen Hemdglonker-Umzüge etwa am Bodensee, in Bräunlingen (Schwarzwald-Baar-Kreis) oder Geisingen (Kreis Tuttlingen) veranstaltet und Rathäuser gestürmt. Die Fastnacht endet am Aschermittwoch (17. Februar) und wird vielerorts traditionell in Form einer Strohpuppe verbrannt, ersäuft oder in einem Misthaufen vergraben.

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