
Polizei "landet" Schlag gegen europaweit agierende georgische Mafiagruppierung - Europaweit 75 Festnahmen / 252 Polizeibeamte stellen 20 Tonnen Diebesgut sicher
In einer konzertiert angelegten Aktion zerschlugen gestern, 15. März 2010, Fahnder des Bayerischen Landeskriminalamtes (LKA), des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West und des Landeskriminalamtes Berlin eine europaweit agierende georgische Mafiagruppierung, die arbeitsteilig und hierarchisch gegliedert ihre Beute aus organisierten Diebstählen erzielte.
Unter Federführung der Staatsanwaltschaften Kempten und München I vollzogen die bayerischen Ermittler mit Unterstützung örtlicher Polizeibehörden gestern 17 Haftbefehle und durchsuchten 41 Objekte. Hierbei waren insgesamt 252 Polizeibeamte eingesetzt. Betroffen waren vorwiegend georgische Staatsangehörige in den Bundesländern Bayern, Berlin, Brandenburg, Hamburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Zeitgleich schlugen Beamte im benachbarten Österreich, der Schweiz und Spanien zu, wo gleichartige Strukturen aufgedeckt werden konnten. Europaweit wurden insgesamt 75 Personen inhaftiert. Der Kopf dieser international agierenden kriminellen Vereinigung konnte in Barcelona dingfest gemacht werden.
In akribischer Kleinarbeit gelang es den für Organisierte Kriminalität zuständigen Ermittlern des Bayerischen Landeskriminalamtes, die Existenz einer von Spanien aus geleiteten, von München aus koordinierten und über weite Teile Deutschlands verteilten Struktur georgischer Krimineller aufzudecken. Sie stehen in dringendem Verdacht, in großem Umfang Diebstähle begangen und die Beute großteils an feste Abnehmer weiterverkauft zu haben. Die Diebe hatten es hauptsächlich auf hochwertige Kosmetikartikel, Spirituosen und Zigaretten aus Verbrauchermärkten abgesehen. Ein Teil des Erlöses des veräußerten Diebesgutes wanderte jeweils umgehend ins Ausland.
Ein 27-jähriger georgischer Staatsangehöriger mit Wohnsitz in München fungierte dabei als Statthalter der Mafiagruppierung für ganz Deutschland. Dieser erhielt einmal monatlich Zahlungen von Diebesbanden aus mehreren deutschen Städten wie Dortmund, Münster, Braunschweig, Berlin, Hamburg, Nürnberg und München selbst. Bei diesen Geldern handelte es sich um „Mitgliedsbeiträge" für die kriminelle Vereinigung, zu deren Zahlung die georgischen Ladendiebe verpflichtet waren. Die Beiträge flossen - wie bei postsowjetischen Mafiaorganisationen nicht unüblich - in eine Art Gemeinschaftskasse, den so genannten „Abschtschjak". Im Gegenzug werden den Einzahlern finanzielle Unterstützung und sonstige Hilfeleistungen garantiert, beispielsweise im Falle einer Inhaftierung oder bei Streitigkeiten innerhalb des kriminellen Milieus. Die Summe der monatlichen „Mitgliedsbeiträge" belief sich auf mehrere Tausend Euro. Diese Gelder wurden, wie auch Teile des aus dem Verkauf des Diebesgutes erlösten kriminellen Gewinns, von dem in München wohnhaften Statthalter jeweils umgehend an den europaweiten Kopf der Organisation ins spanische Barcelona weitergeleitet.
Je nach individueller Rolle der Beschuldigten innerhalb der Organisation führt die Staatsanwaltschaft Kempten die Ermittlungen wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung (§ 129 StGB), des schweren Bandendiebstahls (§ 244a StGB) und der Geldwäsche (§ 261 StGB). Darüber hinaus ermittelt die Staatsanwaltschaft München I gegen einen Teil der Organisation wegen Bandenhehlerei (§ 260 StGB).
Die gestern in Deutschland durchsuchten 41 Objekte verteilen sich auf folgende Bundesländer und Städte bzw. Landkreise:
Bayern (15 Objekte in den Städten München, Nürnberg, Fürth, Hof und dem Landkreis Ebersberg), Nordrhein-Westfalen (11 Objekte in den Städten Bielefeld, Bochum, Düsseldorf, Münster und Solingen), Berlin (11 Objekte), Hamburg (2 Objekte), Brandenburg (1 Objekt in Strausberg) und Niedersachsen (1 Objekt in Osnabrück).
Bei den Statt- und Kassenhaltern der kriminellen Vereinigung wurde jeweils umfangreiches Beweismaterial sichergestellt. Neben mehreren Tausend Euro Bargeld und Diebesgut wie Kosmetika, Zigaretten und Designerkleidung fanden die Ermittler insbesondere schriftliche Aufzeichnungen über die Kassenverwaltung der Organisation, die Aufschluss über die Geldflüsse geben können.
Der für Gesamtdeutschland verantwortliche 27-jährige Statthalter aus München hatte unter falschen Personalien Asyl beantragt. Er hielt sich dauerhaft außerhalb des ihm von der Ausländerbehörde Hof zugewiesenen Aufenthaltsorts auf. Ebenfalls illegal in Deutschland hielt sich die rechte Hand des Haupttäters auf, ein 21-jähriger Georgier aus München.
Bei einem 41-jährigen türkischen Einzelhandelskaufmann aus Bochum stellten die Ermittler eine so große Menge an Diebesgut (Spirituosen, Zigaretten, Kosmetika) sicher, dass man damit zwei LKW-Ladungen hätte füllen können. Ebenfalls in Bochum konnte eine weitere Großmenge an Diebesgut bei dessen Neffen, einem 22-jährigen Studenten, beschlagnahmt werden. Das Gesamtgewicht der sichergestellten Waren beträgt mehr als 20 Tonnen. Beide Personen wurden aufgrund der bestehenden Haftbefehle wegen Verdachts der Bandenhehlerei festgenommen.
Nicht schlecht staunten die Ermittler des Landeskriminalamt, als sie bei einem 53-jährigen afghanischen Einzelhandelskaufmann aus dem Landkreis Ebersberg durchsuchten: Bei ihm konnten sie einen hohen fünfstelligen Bargeldbetrag sicherstellen, dessen Herkunft der Beschuldigte nicht plausibel erklären konnte. Er steht im Verdacht, große Mengen an Diebesgut weiterverkauft zu haben.
Die 17 Beschuldigten, die gestern aufgrund der vorliegenden Haftbefehle festgenommen wurden, werden derzeit den jeweils zuständigen Ermittlungsrichtern vorgeführt. Nahezu alle Beschuldigten machten in ihren polizeilichen Vernehmungen keine Angaben zur Sache.
Durch die fast ein Jahr andauernde enge Zusammenarbeit der Staatsanwaltschaften Kempten, München I und des Bayerischen Landeskriminalamtes mit den Justiz- und Polizeibehörden in Spanien, Österreich und in der Schweiz ist es gelungen, die kriminelle Organisation in mehreren Ländern und über alle Hierarchieebenen (einfache Ladendiebe, lokale Bandenchefs, nationale Statthalter, internationaler Kopf) zu zerschlagen.
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von maddino zum Beitrag: Mentholkapsel-Zigaretten besonders schädlich - Krebsforscher warnen vor Trend zu Zusatzstoffen beim Rauchen
Dem schließe ich mich an. Zum Glück organisieren sich die Händler von E-Zigaretten allmählich recht ... » mehr -
von Bernhard Rais zum Beitrag: Amtsblatt des Landkreises Günzburg Nr. 5 vom 3. Februar 2012
danke für den Hinweis. Ist ab sofort möglich » mehr -
von Gast zum Beitrag: Amtsblatt des Landkreises Günzburg Nr. 5 vom 3. Februar 2012
Ich finde es gut das Sie das Amtsblatt veröffentlichen, wenn es nicht zu große Umstände macht fände ... » mehr -
von Gast zum Beitrag: Mentholkapsel-Zigaretten besonders schädlich - Krebsforscher warnen vor Trend zu Zusatzstoffen beim Rauchen
http://www.stern.de/gesundheit/ratgeber/warnung-vor-e-zigaretten-gefaehr... » mehr

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