update 26.7.: Inzwischen 20 Tote bei Massenpanik auf Duisburger Loveparade - 511 Verletzte / Fiel Sicherheitskonzept von Polizei und Feuerwehr Sparzwängen zum Opfer? Stadtverwaltung war durch eigene Feuerwehr gewarnt! Betreuungsangebot für Traumatisierte

Deutschland ist geschockt. Am Samstag, 24. Juli 2010 kamen rund 1,5 Millionen nach Duisburg, die tanzen und feiern wollten. Dort fand beim alten Güterbahnhof die Loveparade statt. Doch das Festival wurde zur größten Tragödie, die sich jemals bei einer Veranstaltung auf europäischem Boden ereignet hat. Offensichtlich wegen eines unzureichenden Sicherheitskonzeptes kam es gegen 17 h zu einer Massenpanik. Bei dieser kamen nach aktuellem Stand 20 Personen ums Leben, 511 Personen wurden verletzt.

Dem Veranstalter und auch der Stadt als Hauptverantwortliche werden massive Fehler vorgeworfen. So sollen mehr als dreimal so viele Besucher Zugang auf das Gelände gefunden haben, als dafür ausgelegt. Schon im Vorfeld sollen Polizei und Feuerwehr Zweifel an der Sicherheit gehabt haben und trotzdem wurde die Veranstaltung von der Stadt genehmigt. Inzwischen wurde bekannt, dass Fluchtwege nicht die nach der nordrhein-westfälischen Brandschutzverordnung Breite haben mussten. Die Polizei hatte ein eigenes Sicherheitskonzept vorgelegt, das jedoch offensichtlich aus Kostengründen scheiterte. Zweitgrößter Fehler war vermutlich, dass es nur einen Zu- und Abgang gab.

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Teilnehmer waren über eine gesperrte Autobahn neben dem Festivalgelände am alten Güterbahnhof südlich des Duisburger Hauptbahnhofs gelaufen sein und dort zum einzigen Eingang in einen Tunnel in der Karl-Lehr-Straße. Der Tunnel wurde zum Nadelöhr. Gegen 17 h wurde das Festgelände wegen Überfüllung geschlossen. Doch standen zigtausende im Tunnel und dahinter an um auf das Gelände zu kommen, da wurde nachgeschoben und nachgeschoben. Diesem extremen Gedränge, bei dem stabile Bauzäune verbogen wurden, wollen Besucher entkommen. Die Massenpanik brach in dem Moment aus, als einige Besucher auf eine Nottreppe und ein Lautsprechergerüst kletterten und dabei abstürzten. Dabei wurden 16 Personen an Ort und Stelle getötet. Vier weitere erlagen im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen. Von den Toten sind 11 Frauen und neun Männer. Mindestens 511 Personen wurden verletzt. Unter den Toten sind 12 Deutsche, wie Polizei und Staatsanwaltschaft Duisburg berichteten. Nach Mitteilung der Polizei stammen die Toten aus Gelsenkirchen, Castrop-Rauxel, Bad Oeynhausen, Bielefeld, Mainz, Lünen, Hamm, Bremen, Steinfurt und Osnabrück. Eine verstorbene Chinesin lebte in Düsseldorf, zwei junge Spanierinnen kamen aus Münster. Die anderen ausländischen Opfer stammen aus Australien, den Niederlanden, Italien und Bosnien-Herzegowina.

Sofort nach Bekanntwerden eilten in einem Großaufgebot zahlreiche Rettungskräfte an die Unglücksstelle. Noch in der Nacht beorderte der Innenminister von Nordrhein-Westfalen aus dem gesamten Bundesland Hilfskräfte zum Festivalgelände. Eine nahe gelegene Autobahn wurde zum Verbandsplatz. Medienberichten zufolge waren rund 6.500 Einsatzkräfte vor Ort. Rettungshubschrauber flogen pausenlos. Das Bonner Rote Kreuz schickte ein umfangreiches Kriseninterventionsteam. Allein 100 Notfallseelsorger wurden eingesetzt und kümmerten sich um Besucher und Helfer.

Doch noch in der Nacht kam es zu weiteren Problemen: Der öffentliche Nah- und Fernverkehr brach teilweise komplett zusammen, da immer wieder Personen über die Gleise liefen. Eilends wurden Ersatzbusse herangeschafft.
Die Veranstaltung wurde kurz nach 23 h beendet. Grund, dass die Veranstaltung nicht sofort abgebrochen wurde war, dass eine weitere Panik befürchtet wurde, wenn 1,5 Millionen Menschen frustriert nach Hause gehen, so der Vorsitzende des Krisenstabes und Dezernent für Sicherheit und Recht bei der Stadt Duisburg Wolfgang Rabe. Auch er hielt Samstagnacht noch das Sicherheitskonzept für ausreichend.
Um 3 h Sonntagmorgen waren die letzten Raver abgereist, nach Polizeiangaben ohne weitere Zwischenfälle. Auch die BAB A 59 wurde wieder freigegeben.
Viele Bürger, die aus den Medien von dem Unglück erfahren haben, versuchten ihre auf der Veranstaltung befindlichen Angehörigen zu erreichen. Daraufhin brachen die Handynetze immer wieder zusammen.

Die Stadt Duisburg hatte ein Notruftelefon für Angehörige eingerichtet - 0203-94000, die bis Sonntag noch geschaltet war. Doch war dieses ständig überlastet.

Massive Vorwürfe gegen die Stadtverwaltung werden immer lauter. So soll Polizei und Feuerwehr eine weitreichendere Sicherheitsplanung entwickelt und die Stadtverwaltung gewarnt haben, das bisherige durchzusetzen. Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland spielt offensichtlich die Tragödie herunter: So soll es nicht am Sicherheitskonzept gelegen haben, was nicht gegriffen hat, sondern "vermutlich an individuellen Schwächen" - ein Hohn für die Opfer. Die Staatsanwaltschaft, die noch in der Nacht ihre Ermittlungen aufgenommen hat, hat am Sonntag (25. Juli 2010) die Veranstaltungsunterlagen beschlagnahmt. Auch wurden Oberbürgermeister, weitere Verantwortliche der Stadt und auch der Veranstalter unter anderem vom früheren Polizeipräsidenten von Bochums früherem Polizeipräsidenten Thomas Wenner angezeigt. Neben einem juristischen, wird die Veranstaltung sicherlich auch ein politisches Nachspiel haben.
Wie es heisst, war das Festivalgelände heillos überfüllt war. Der Bereich um den Güterbahnhof soll nur für maximal 250.000 Personen ausgelegt worden sein, so ein internes Papier der Stadtverwaltung. Medien sprechen allerdings von rund 1 Million bis 1,4 Millionen Besuchern. Duisburg ist eine Stadt mit 500.000 Einwohnern, in deren Einzugsbereich mehrere Millionen Menschen leben. Davon auszugehen, dass „nur" 250.000 Besucher auf die Loveparade kommen würden zeigt, welche Blauäugigkeit die Veranstalter an den Tag legten. Es müsste eigentlich allen Organisatoren klar sein, dass eine Loveparade nicht mit einem Kirchentag verglichen werden kann.
Inzwischen wurde bekannt, dass die Duisburger Berufsfeuerwehr im Herbst vergangenen Jahres die Stadt vor der Veranstaltung gewarnt hatte. Dieser Hinweis soll auch dem Oberbürgermeister vorgelegen haben. Die Feuerwehr soll von der Veranstaltung abgeraten haben, stieß jedoch auf taube Ohren.
spiegel online: Ein hochrangiger Kriminalbeamter aus Duisburg hat den Eindruck, die Stadt habe die Veranstaltung "aller Sicherheitsbedenken zum Trotz" durchgeboxt. "Man wollte sich damit unbedingt schmücken. Doch es ist eine Tragödie geworden. Ein Schandfleck."
Fakt ist, dass das Sicherheitssystem versagt hat und, dass es verantwortungslos war, das Sicherheitskonzept von Polizei und Feuerwehr zu missachten!

Inzwischen dürfte auch klar sein, warum die Stadt das Sicherheitskonzept von Polizei und Feuerwehr abgelehnt haben: Die Stadt ist hochverschuldet. Das Sicherheitskonzept fiel Sparzwängen zum Opfer.

Schon jetzt stellen sich folgende Fragen:
• Wieso wurden nicht mehr Ein- und Ausgänge vorgeschrieben?
• Wieso wurde, nachdem keine Besucher mehr eingelassen wurden, sich nicht darum gekümmert, dass keine nachfolgenden Personen überhaupt an den Tunnel geraten konnten?
• Wieso war es möglich, dass Raver auf die ungesicherte Nottreppe und Lautsprechergerüste steigen konnten?
• Warum waren diese nicht gesichert?

Mussten 20 Personen wegen Gewinnmaximierung sterben? Diese Frage müssen sich Veranstalter und Personen, die für die Genehmigung verantwortlich waren, stellen!

Eines dürfte sicherlich klar sein. Eine Loveparade in Duisburg wird es wohl nicht mehr geben.
Inzwischen wurde bekannt, dass der Veranstalter der Loveparade Rainer Schaller das „Aus" für derartige Veranstaltungen verkündet hat. Es stellt sich jedoch die Frage, ob jemand eine von ihm organisierte Veranstaltung jemals wieder besuchen wird.

Im Internet wurde nachgefragt, welche Strafe die Verantwortlichen erwartet. Der Tübinger Strafrechtlers Jörg Kinzig äußert in spiegel online die Meinung, dass den Verantwortlichen allenfalls Bewährungsstrafen drohen.

Unter der Telefonnummer 0201/82 98 091 wird Personen Hilfe angeboten, die aufgrund ihrer schockierenden Erlebnisse vom Samstag ein persönliches Betreuungsangebot in Anspruch nehmen möchten. Die Helfer sind auch unter der E-Mail-Adresse Betreuungsangebot [dot] Loveparade [at] polizei [dot] nrw [dot] de zu erreichen.

• Informationen zu dem tragischen Unglück finden Sie auch bei untenstehenden Links (diese werden ständig aktualisiert):

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Trauer, Entsetzen und Respekt

ja, auch meiner Familie und mir fehlen die Worte. Den Angeörigen gilt unser aufrichtiges Beileid.

Mein Respekt gilt dem Kommentar des herausgebers von locally.

Bild von Bernhard Rais
Wir sind traurig und wütend

die richtigen Worte zu finden ist unmöglich. Doch können und wollen wir nicht einfach zur Tagesordnung übergehen: Das gesamte locally-Team trauert mit den Angehörigen und Freunden der Opfer. Wenn man sich mit den Informationen, die uns teilweise im Minutentakt erreicht haben, auseinandersetzt meint man, mitten drin zu stehen. Wir sind nicht nur tief betroffen sondern auch wütend und entsetzt darüber, weil offensichtlich aus Kostengründen grob fahrlässig Menschenleben aufs Spiel gesetzt wurden. Auch wir erwarten, dass die Ursache lückenlos aufgeklärt wird. Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden.

Sie können sicher sein, dass auch locally Sie weiterhin offen und fair über das tragische Ereignis informiert. Das ist Ihr gutes Recht. Einen Promi- oder Amtsbonus gibt es nicht.

Den Verletzten wünschen wir baldige Genesung, den Traumatisierten Hilfe bei der Verarbeitung.

Ihr Bernhard Rais (Herausgeber)

Katastrophe in Duisburg

Soeben erfuhren wir von unserer ital.Nachbarin, (wie leben in Italien) was in Duisburg passiert ist. Uns fehlen die Worte!!! - Wie kann soetwas überhaupt in Deutschland geschehen, wo gerade dort die Sicherheitsvorkehrungen äußerstes Gebot ist. Ja sind denn die Verantwortlichen so naiv, um bei solchen Massenantrang nicht an Fluchtwege im grossen Stil daran zu denken; ja sind die Veranstalter und all diejenigen, welche verantwortlich sind, völlig ausser Kontrolle  mit ihrer Intelligenz????

Wenn solche furchtbaren Ereignisse in Ländern mit wenig sicherheitsbewussten  Verantwortlichen passiert, dann könnte man es vielleicht noch "verstehen", aber doch nicht in einem Land wie Deutschland! Hier darf  bei den Schuldigen absolut keine Milde aufkommen, denn diese angeblichen "Verantwortlichen" haben in der Tat ihren Beruf verfehlt und gehörten für niedrige Arbeiten eingesetzt, wo man dabei nicht denken muss!!! -

Fazit: Ab sofort gehörten solche Massenansammlungen gesetzlich verboten , um nie wieder solche Panikstimmung zu erzeugen bzw. aufkommen zu lassen!

Zum Schluss möchten wir den Hinterbliebenen unser tiefstes Beileid aussprechen und viel Kraft geben, damit sie gesundheitlich nicht auch noch etwas abbekommen.

In tiefer Trauer aus der Ferne von einem Deutsch-Italienischem Ehepaar Fam.Mierk-Nani 

Loveparade Tage vorher

Es gab Tage vorher schon Warnungen:

20.07.2010 Was die da machen, ist höchstgradig kriminell...ist denn, wenn zu dem Chaos noch Panik kommt http://zeige.in/0ujtZ1 #loveparade

...unter einer langen Brücke. Was passiert wenn hier Panik ausbricht? von tron , am 21.07.2010 um 08:24 http://zeige.in/0ujtZ1 - #loveparade

raum, der in duisburg zur verfügung steht, ist defintiv zu klein von schranzbaum 21.07.2010 09:19 http://zeige.in/0ujtZ1 #loveparade #duisburg

super locally

ich fand es super, dass locally laufend den Bericht aktualisiert hat und ich stimme mit der Autorin überein: Die Verantwortlichen müssen zu Rede und auch zur Verantwortung gezogen werden. Das heißt im Klartext: Veranstalter, Verantwortlicher bei der Stadt, Verantwortlicher bei der Polizei, beim Rettungsdienst und bei der Feuerwehr.

Wenn irgendeiner vorher Bedenken angemeldet hatte, so wird er das beweisen müssen!!!

Es darf nichts unter den Behördenteppich gekehrt werden.

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