Waren Parteiinteressen schuld an der Loveparadekatastrophe? Politiker forderte Entlassung von kritischem Polizeipräsidenten / Polizei erhielt am Sonntag NACH der Veranstaltung die Genehmigung

Die Katastrophe bei der Loveparade am vergangenen Samstag wird endgültig zum Politikum. Medienberichten zufolge wurde der inzwischen in Ruhestand gegangene Duisburger Polizeipräsident Rolf Cebin von Politikern unter Druck gesetzt, nachdem er sich gegen die Durchführung der Veranstaltung ausgesprochen hatte. Auch die Rolle des Oberbürgermeisters Sauerland wird immer fragwürdiger. So wurde in einer Ratssitzung Ende Januar diesen Jahres auf die erheblichen Risiken hingewiesen. Laut Protokoll war der OB anwesend. Er spricht jedoch immer noch davon, nicht gewusst zu haben. Auch bestreitet er Informationen von der Berufsfeuerwehr erhalten zu haben. Am Freitag wurden von der Berufsfeuerwehr nochmals eindrücklich Stadt und Veranstalter gewarnt - vergeblich.
Das Drama von Duisburg wird mehr und mehr zu einem tragischen Possenspiel auf dem Rücken der 20 Toten und der mehr als 500 Verletzten. Es gibt nur gegenseitige Schuldzuweisungen, keiner will es gewesen sein, keiner war informiert.

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  1. Der Kölner Stadtanzeiger schreibt, dass der der Direktor der Berufsfeuerwehr bereits im Oktober 2009 in einem Brief an Duisburgs Oberbürgermeister Sauerland vor dem Gelände am alten Güterbahnhof gewarnt hatte, es sei "physikalisch nicht geeignet" für eine Veranstaltung in dieser Größenordnung. Sauerland dagegen behauptet nach wie vor, dass ihm "keine Warnungen bekannt" gewesen seien.
  2. Bei der Stadtratssitzung am 25. Januar diesen Jahres zeigte sich, so Medienberichte der Stadtrat Herbert Mettler sehr erschrocken und fragte sich, wie man die Risiken beherrschen wolle. Anscheinend ist dem Duisburger Stadtoberhaupt entgangen, dass er (laut Sitzungsprotokoll) anwesend war.
  3. Nach einem Bericht in der Süddeutschen Zeitung hatte die Duisburger Polizei ihre Bedenken mehrmals u. a. in Workshops zum Ausdruck gebracht. Den Veranstalter hatte dies offensichtlich nicht interessiert; denn er hatte darauf nicht reagiert. Die Süddeutsche schreibt weiter: Der frühere Polizeipräsident Rolf Cebin hatte sich wegen Sicherheitsbedenken heftig gegen die Austragung der Loveparade in Duisburg ausgesprochen. Daraufhin habe die Politik Druck auf ihn ausgeübt. Der Duisburger CDU-Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Thomas Mahlberg forderte einem Brief an den damaligen NRW-Innenminister Ingo Wolf die Absetzung des Polizeipräsidenten.
  4. Veranstalter Rainer Schaller kritisierte die Polizei, die die seinen Angaben zufolge alle Schleusen vor dem westlichen Tunneleingang habe öffnen lassen. Dadurch sei der Hauptstrom der Besucher unkontrolliert in den Tunnel gelangt.. Doch dazu die Duisburger Polizei: "Natürlich möchte Herr Schaller seine Haut retten. Wenn es Zeugen dafür gibt, können diese nur bestätigen, dass Schleusen geöffnet wurden, aber nicht warum. Die Ermittlungen müssen ergeben, ob das nicht vielleicht sogar auf Wunsch der Organisatoren geschah", so Polizeisprecher Ramon van der Maart gegenüber dem WDR.

Interessant ist auch die Tatsache, dass erst am Tag der Veranstaltung die ordnungsbehördliche Erlaubnis für die Loveparade um 9 Uhr morgens von Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland erteilt worden sei, so die Kölnische Rundschau. Grund war der, dass es Sicherheitsbedenken gab, die man dann jedoch offensichtlich vom Tisch weggefegt hatte. Die Veranstalter mussten dann wohl oder übel ihre Zustimmung geben. Schließlich waren schon viele Besucher auf der Anreise. Eine fatale und aberwitzige Entscheidung.
Der Polizei lag die Genehmigung der Duisburger Bauaufsicht für die Veranstaltung, erst am Sonntag, also nach der Veranstaltung vor. Ohne diese Genehmigung hätte die Veranstaltung überhaupt nicht stattfinden dürfen. Der innenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Horst Engel, erhielte diese Information vom Landesinnenminister Ralf Jäger. "Die Genehmigung der Bauaufsicht, der Bauverordnung, der Bauverwaltung der Stadt Duisburg ist vom 21. Juli (vier Tage vor der Veranstaltung). Und die hat die Polizei erst am Sonntag erreicht, also ( ...) direkt nach der Veranstaltung."
Noch am Freitag wurde in verschiedenen Sitzungen über das Sicherheitskonzept debattiert. Die Duisburger Berufsfeuerwehr und auch die Polizei haben eindeutig darauf hingewiesen, dass die Großveranstaltung so nicht stattfinden kann. Sie stießen auf taube Ohren und ein unbeschreibliches Chaos am Samstag.
Inzwischen wurde bekannt, dass sich der Bundestag mit der Katastrophe befassen soll. Der Innenausschuss wird sich nach Aufklärung von Polizei und Staatsanwaltschaft damit befassen. Mit der Aufklärung über ein evtl. Fehlverhalten der Duisburger Polizei wurde die Kölner Polizei beauftragt, das polizeiliche Einsatzkonzept am Veranstaltungstag soll vom Polizeipräsidium Essen ausgewertet und überprüft werden.

update 26.7.: Inzwischen 20 Tote bei Massenpanik auf Duisburger Loveparade - 511 Verletzte / Fiel Sicherheitskonzept von Polizei und Feuerwehr Sparzwängen zum Opfer? Stadtverwaltung war durch eigene Feuerwehr gewarnt! Betreuungsangebot für Traumatisierte

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