Das Landratsamt informiert: Angegurtet und „ruhig gestellt“ – muss das sein?

Bettgitter, Bauchgurt, Hand- und Fußfesseln und andere in die Freiheit eingreifende Maßnahmen aber auch Psychopharmaka zur Ruhigstellung sind schwerste Eingriffe in Grundrechte der davon betroffenen Menschen.
Am 28. September 2010 findet im Forum am Hofgarten in Günzburg eine Fachtagung zu dem Thema „Freiheitsentziehende Maßnahmen" statt.
Hochqualifizierte Referenten informieren über den Umgang, vor allem aber über die Vermeidung freiheitsentziehender Maßnahmen. Auch haftungsrechtliche Aspekte und gesetzliche Grundlagen werden bei der Veranstaltung behandelt, zu der Betreuungsstelle und Seniorenamt des Landkreises Günzburg eingeladen haben.
Leider gehören freiheitsentziehende Maßnahmen immer noch zum pflegerischen Alltag in Alten- und Altenpflegeheimen und Einrichtungen für Menschen mit Behinderung. Aus fachlichen und pflegerischen Gesichtspunkten sind diese Maßnahmen aber nicht immer erforderlich. Sie sind oft unverhältnismäßig und nicht am Wohl der Betroffenen orientiert, mindern deutlich deren Lebensqualität, die physische und psychische Belastung steigt. Risiken und mögliche Folgeschäden bleiben meist außer Betracht, der Gesundheitszustand verschlechtert sich. Die Anwendung weiterer Fixierungsmaßnahmen, die Gabe stärkerer Psychopharmaka folgt unweigerlich.
„Oft gibt es andere Möglichkeiten, um Gefahren zu vermeiden. Durch geeignete Alternativen kann eine mögliche Sturzgefahr durchaus verringert werden. Niederflurbetten oder Antirutschsocken schränken die Betroffenen deutlich weniger ein als ein Bettgitter oder Fixierungen" so die Mitarbeiter der Betreuungsstelle und der Heimaufsicht beim Landratsamt Günzburg. „Uns ist es ein großes Anliegen, dass auch alte, pflegebedürftige und behinderte Menschen nur soweit unbedingt erforderlich in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt werden."
Gefordert sind hier vor allem die Fachkräfte vor Ort, also das Pflegepersonal und die Heim- und Einrichtungsleitungen, aber auch Bevollmächtigte und gesetzliche Betreuer. Oft herrscht aber bei allen Beteiligten Unsicherheit über Anwendung und Umgang mit derartigen Maßnahmen oder mögliche Alternativen sind zu wenig bekannt.
„Wir denken und hoffen, dass wir mit dieser Fachtagung dazu beitragen, die Beteiligten zu sensibilisieren, freiheitsentziehende Maßnahmen zu vermeiden beziehungsweise verantwortungsvoll damit umzugehen und den Betroffenen somit ein großes Stück mehr Lebensqualität zu geben" so die Veranstalter der Fachtagung.

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  • Weitere Informationen beim Landratsamt Günzburg - Telefon 08221-95221 oder 95225.

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