Dreikönigstag ist Beginn der närrischen Zeit im Südwesten

Die Narren im Südwesten sind in die längste Fastnacht seit langem gestartet: Traditionell haben sie am Dreikönigstag Masken und Kostüme abgestaubt und die närrische Tage ausgerufen. Den Auftakt machten um Punkt 6.01 Uhr die Kübler in Stuttgart-Bad Cannstatt. Nach einem rustikalen Narrenfrühstück wurden die neuen Hästräger getauft und damit ihre Aufnahme in die Narrengilde besiegelt. Der eigentliche Höhepunkt mit Straßenumzügen und großen Festveranstaltungen ist allerdings erst in mehr als zwei Monaten: Der «Schmotzige Dunschtig» fällt durch den Mondkalender dieses Jahr auf den 3. März und ist damit so spät wie seit vielen Jahren nicht mehr.
In den Hochburgen zwischen Schwarzwald und Bodensee, Oberschwaben und Allgäu sowie in der Alb-Neckar-Region haben sich die Fastnachter am Donnerstag auf das närrische Treiben der nächsten Wochen eingestimmt. In der Bodenseeregion und in Oberschwaben begann die Saison mit dem öffentlichen Ausrufen der Fastnacht oder dem Schwingen von Peitschen, dem sogenannten Einschnellen. Im Frack, mit Zylinder auf dem Kopf und mit weißen Handschuhen kamen die «Häsabstauber» in Schwenningen daher. Andernorts wurden Fastnachtsbrunnen geschmückt oder wie in Hechingen (Zollernalbkreis) Narrenbäume aufgestellt.
Am Abend des Dreikönigstags wollte das «Stockacher Narrengericht» den Namen des oder der «Angeklagten» bekanntgeben. Das Fastnachtsgericht im Bodensee-Städtchen Stockach macht seit Jahrzehnten Politprominenz aus Bund und Land am «Schmotzigen Dunschtig» den Prozess. Bei einer Verurteilung wegen «Misstaten» besteht die Strafe aus einigen Eimern Wein zu je 60 Litern. Im vergangenen Jahr musste sich Grünen-Bundestagsfraktionschefin Renate Künast vor den närrischen Richtern verantworten. Auf der Anklagebank saßen unter anderem auch schon Hans-Dietrich Genscher, Franz-Josef Strauß, Joschka Fischer, Guido Westerwelle oder Angela Merkel.
Ungeachtet des verheerenden Brandes in der Konstanzer Altstadt am Tag vor Heiligabend wollten auch die Narren in Konstanz an der Tradition festhalten und die Fastnacht am Donnerstagabend ausrufen.
Die Fastnacht im Südwesten ist vorwiegend traditionell geprägt und wird von der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN) dominiert, der 69 Zünfte angehören. Die Narren verkörpern meist Figuren aus der Dorf- und Stadtgeschichte sowie Fabelwesen und Tiere. Zum farbenfrohen Häs oder Kleidle (Kostüm) tragen sie kunstvoll geschnitzte Larven oder Schemen (Masken). An einigen Orten sind aber auch Einflüsse des rheinischen Karnevals spürbar - mit Figuren wie Prinz und Prinzessin oder Tanzgarde.

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