
Sanierung des Reiberhofs in Bernbach/Aichen mit dem Denkmalpreis 2010 des Bezirks Schwaben ausgezeichnet
"Denkmale bewahren heißt Heimat bewahren", betonte Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert bei der diesjährigen Verleihung des Denkmalpreises des Bezirks Schwaben. "Sie haben uns Denkmäler erhalten, ohne die Schwaben ärmer wäre." Mit diesen Worten richtete er bei einer Feierstunde im Rokokosaal der Regierung von Schwaben seinen besonderen Dank an die Preisträger 2010 aus dem Landkreis Günzburg, aus Kempten, der Stadt Donauwörth und dem Landkreis Oberallgäu. Seit 2002 würdigt der Denkmalpreis des Bezirks jährlich die denkmalpflegerisch vorbildliche, innovative und kreative Sanierung von Gebäuden in Schwaben, die von ihren Bauherren unter oft jahrelanger Eigenleistung, mit hohem finanziellen Einsatz und großer Sensibilität für denkmalpflegerische Belange saniert und einer neuen Nutzung zugeführt wurden.
Mit dem Denkmalpreis 2010 wird die von 2005 bis 2010 durchgeführte Sanierung und Umnutzung des Reiberhofs in Bernbach/Aichen (Landkreis Günzburg) ausgezeichnet. Der mächtige Hof mit Gastwirtschaft, errichtet 1874/75, stand seit 1993 leer. Er war im Stallbereich bestandsgefährdet und insgesamt in einem desolaten Zustand. Die Eigentümerfamilie Huber entwickelte ein Nutzungskonzept als Tagungs-, Freizeit- und Bildungsstätte, das vor allem Musikkapellen für Probenwochenenden zur Verfügung stehen sollte. Die alten Bauteile wie Türen, zahlreiche Fenster, Dielenböden, böhmische Gewölbe im Stall, Treppenanlage oder Wandmalereien in den Schlafzimmern wurden dabei sorgfältig erhalten. Innerhalb kurzer Zeit hat sich die Resonanz auf den Hof positiv entwickelt, besonders bei Hochzeits- und Geburtstagsfeiern erfreut sich das idyllisch gelegene Gehöft großer Beliebtheit. "Die Familie Huber hat in Verantwortung vor der Familientradition mutig, mit hohem persönlichen und finanziellen Einsatz kreativ, innovativ und vorbildlich ein bedeutendes Denkmal gerettet und ihm eine neue Zukunft gegeben", würdigte Bezirksheimatpfleger Dr. Peter Fassl in seiner Laudatio.
Einer der beiden mit 5 000 Euro angesetzten Sonderpreise geht an Hermann Hagspiel für die denkmalpflegerische Sanierung des Fachwerkhauses Milchgasse 4 in Kempten. Erbaut wurde das Gebäude um 1730 als eine für die Stiftsstadt typische Herberge. Die Abbruchgenehmigung war bereits erteilt, als es im Jahr 2006 in die Denkmalliste aufgenommen wurde, und somit die Gefahr eines Abbruchs und einer Neubebauung gebannt war. Durch die Sanierung von 2006 bis 2008 wurde das stadtbildprägende Erscheinungsbild wiederhergestellt, heute beherbergt das Haus drei Wohnungen. Im Inneren wurden bauzeitliche Elemente repariert, neue Bauteile im Inneren wie im Äußeren wurden in schlichter Architektur dem Baudenkmal untergeordnet. "Das Gebäude spiegelt den Dialog von Denkmalpflege und zeitgenössischer Architektur auf gelungene Weise wider", so Fassl. "Es setzt in der westlichen Stiftsstadt einen bemerkenswerten städtebaulichen Akzent."
Den zweiten Sonderpreis erhalten die Stadt Donauwörth und die Firma Xaver Abenstein GmbH & Co. KG aus Ichenhausen gemeinsam für die denkmalpflegerische Sanierung des ehemaligen Hotels Krebs in Donauwörth (Landkreis Donau-Ries) aus der Zeit um 1780 und 1838. Seit 1993 war das prägende Empfangsgebäude der Stadt durch Leerstand, Plünderungen und Feuer ein Problemfall, bis die Stadt das Gebäude 2002 erwarb und mit dem Investor, der Firma Abenstein, von 2007 bis 2009 die Sanierung durchführte. Die Stadt Donauwörth konzentrierte sich als Bauherr in Bauabschnitt I auf die Sanierung und Wiederherstellung der kulturhistorisch wertvollen Fassade, auf das denkmalgeschützte Dachtragwerk sowie auf die Restaurierung des historischen Treppenhauses im Westflügel. Bauabschnitt II, der die gesamte Sanierung und Umgestaltung der Innenräume zur Anpassung an die neue Nutzung als Fachärztezentrum, die Gestaltung der Außenanlagen und den Anbau eines Treppenhauses mit behindertengerechter Aufzugsanlage umfasste, wurde von der Firma Abenstein getragen. "Die Maßnahme kann für die Zusammenarbeit von Kommune und privatem Investor als innovativ und wegweisend bezeichnet werden und hat städtebaulich der Stadt Donauwörth einen wichtigen Teil ihres Erscheinungsbildes wieder zurückgegeben", betonte Fassl beim Festakt.
Auch ein Anerkennungspreis in Höhe von 2 500 Euro wurde in diesem Jahr vergeben: Er geht an die Katholische Kirchenstiftung St. Agatha in Altusried-Kimratshofen für die gelungene Sanierung der Alten Schule in Kimratshofen (Landkreis Oberallgäu). Das Gebäude aus dem 18. Jahrhundert sollte anfangs abgebrochen und ein neues Pfarrheim errichtet werden. In den Jahren 2009 und 2010 wurden allerdings auf Betreiben von Heimatpflegerin Ingrid Müller und Kirchenpflegerin Karin Hagspihl Sanierungsmaßnahmen, verbunden mit einer Umstrukturierung und einem Anbau, durchgeführt. Die Kosten lagen dabei unter den Neubaukosten. Durch die Sanierung wurden ein wesentlicher Teil der Schul- und Pfarrgeschichte und das sehenswerte Kirchenensemble erhalten. "Die Maßnahme hat gezeigt, dass es mit Fachwissen und Einfühlungsvermögen wirtschaftlich überzeugende denkmalpflegerische Lösungen gibt", lobte Fassl.
Die Festrede bei der Verleihung des Denkmalpreises 2010 hielt Anton Hohenadl vom Landkreis Ostallgäu über gelungene Denkmalpflege aus der Sicht eines Kreisbaumeisters.
Würdigung von Bezirksheimatpfleger Dr. Peter Fassl:
Denkmalpflegerische Sanierung und Umnutzung des Reiberhofs in Bernbach 5, 86479 Aichen, Bauherr und Eigentümer: Edeltraud und Georg Huber, 86479 Aichen, Planung und Beratung:Architekt Gerhard Glogger, 86483 Balzhausen
Der Reiberhof, errichtet 1874/75, ist nicht nur für den kleinen, etwas abgelegenen Ort Bernbach ortsbildprägend, sondern bildet für die gesamte landschaftliche Situation auf der Anhöhe über dem Bernbächle eine weithin sichtbare Landmarke. Seit 1993 stand der mächtige Hof mit Gastwirtschaft und einer Länge von 44 m und einer Breite von 13 m leer, war im Stallbereich bestandsgefährdet und insgesamt in einem desolaten Zustand. Die Größe der Anlage und die zum großen Teil noch vorhandene ursprüngliche Ausstattung stellten die Nutzungsfrage ins Zentrum. Frau Huber, die Urenkelin des Erbauers und seit 1993 Eigentümerin der Anlage, entwickelte ein innovatives Nutzungskonzept als Tagungs-, Freizeit- und Bildungsstätte, das vor allem Musikkapellen für Probenwochenenden zur Verfügung stehen sollte. Im Erdgeschoss blieb im Wesentlichen alles erhalten. Im Obergeschoss und im Dachgeschoss wurden ein Einzelzimmer, acht Doppelzimmer, acht 6-Bettzimmer mit entsprechenden Sanitäranlagen sowie Probenräume eingerichtet. Die Zimmer haben eine einfache, zweckmäßige und formschöne Einrichtung. Den Gästen steht eine große Küche im Erdgeschoss zur Verfügung. Der Kuhstall bildet einen attraktiven Veranstaltungssaal.
Denkmalpflegerisch sind hervorzuheben die sorgfältige Erhaltung aller alten Bauteile, wie Türen, zahlreicher Fenster, Dielenböden, böhmische Gewölbe im Stall, Treppenanlage, Stubenofen, Wandmalerei in den Schlafzimmern, die Stallfenster und die sorgfältige Restaurierung der Fassade nach Befund.
Das Haus wurde am Dach und an der Decke des 2. Obergeschosses gedämmt und wird mit Hackschnitzel geheizt. Die neuen Fenster wurden sehr sorgfältig nach den alten gestaltet, die Stallfenster blieben erhalten. Die neue Außenanlage ist einfach, zweckmäßig und der neuen Funktion angemessen. Die Sanierung wurde von 2005 bis 2010 durchgeführt. Die Resonanz auf den Hof hat sich bereits binnen kurzer Zeit sehr positiv entwickelt, wobei besonders Hochzeiten und Geburtstagsfeiern die idyllische Situation mit Übernachtungsmöglichkeit zu schätzen wissen.
Die Familie Huber hat in Verantwortung vor der Familientradition mutig, mit hohem persönlichen und finanziellem Einsatz kreativ, innovativ und denkmalpflegerisch vorbildlich ein bedeutendes Denkmal, das eine Landmarke bildet, gerettet und ihm eine neue Zukunft gegeben
- Bildunterschriften "Aichen Reiberhof Südostfassade", "Vorher" und "Bernbach": Der Reiberhof nach der gelungenen Sanierung, vorher, und im Ortsbild. Bilder: Gerhard Glogger
- Bildunterschrift Preisträger Reiberhof: Von links nach rechts: Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert mit Georg und Edeltraud Huber, Architekt Gerhard Glogger, Bezirksheimatpfleger Dr. Peter Fassl bei der Preisübergabe. Bild: Andreas Lode
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