
EU-Angriff auf „Made in Germany“ - IHK fürchtet bürokratischen Wust
„Made in Germany“ bürgt für Qualität und Zuverlässigkeit. Beim Export spielen diese drei Worte eine große Rolle. Vor allem für den Mittelstand ist „Made in Germany“ effektiver als jede Werbekampagne. Jetzt will die EU-Kommission europaweit wesentlich kompliziertere Regeln für die Bestimmung des Warenursprungs einführen, zum Schaden auch vieler schwäbischer Firmen. „Durch die neuen Regeln befürchten wir einen Rückgang bei schwäbischen Exporten und einen Wust an zusätzlicher Bürokratie“, warnt Axel Sir, Leiter des Geschäftsfeld International und IHK-Zollexperte.
Bewährte Regel soll fallen
Die IHK Schwaben stellt für ihre Mitglieder jährlich 57.000 Ursprungszeugnisse für Exporte aus. Diese Dokumente fordern zahlreiche nicht EU-Länder beim Import, sie sind aber auch dem Kunden als Qualitätsnachweis wichtig. Bisher wurde der Ursprung einer Ware danach festgelegt, wo die letzte wesentliche Be- und Verarbeitung stattgefunden hat. Die EU-Kommission will diese bewährte Regel ändern. Jetzt sollen Firmen nachweisen, dass nicht mehr als 45 Prozent der Vorprodukte aus dem Ausland kommen. Nur dann bliebe das „Made in Germany“ bestehen. Anlass zu dieser Änderung ist eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes bei sogenannten Anti-Dumping-Verfahren. Sir kritisiert: „Das ist eine völlig unnötige und überzogene Änderung.“ Die IHK befürchtet, dass dadurch eine Reihe von Produkten insbesondere aus den Branchen Maschinenbau, Elektronik und Automobil das „Made in Germany“ verlieren könnten, da sich in diesen Branchen die heimische Industrie stark globalisiert hat und heute auf internationale Zulieferer setzt.
Mehr Bürokratie durch mehr Nachweis
Den Firmen droht zudem ein weiteres Problem: mehr Bürokratie! Die IHK-Organisation befürchtet eine massive Belastung durch notwendige Nachweispapiere. Neben den Endprodukten müssen dann auch die Vorprodukte einer sorgfältigen Prüfung unterzogen werden. Die deutschen IHKs und Wirtschaftsverbände fordern, das bisherige Verfahren beizubehalten. Aktuell führen sie Gespräche mit Entscheidungsträgern in Deutschland und Europa, um die Änderung des Ursprungsrechts doch noch zu verhindern. Es gelte nun, in der EU starke Verbündete zu finden, die diese neuen Regelungen ebenfalls ablehnen, betont Sir.
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