Der Bezirk Schwaben informiert: Die Erfahrung einer psychischen Erkrankung beruflich nutzbar machen - Genesungsbegleiter freuen sich über ihren erfolgreichen EX-IN-Abschluss


„Wir mussten uns in dieser Zeit sehr mit uns selbst auseinandersetzen - das tat manchmal weh, forderte uns heraus, aber es brachte auch das Beste in uns hervor!“ Christian Munz ist einer der Absolventen im Bezirk Schwaben, die nun den zweiten „EX-IN“-Kurs abgeschlossen haben. „EX-IN“, das steht für „Experienced Involvement“. Gemeint ist damit: Menschen mit Psychiatrieerfahrung bringen ihr Wissen bei der Begleitung von anderen Betroffenen mit ein. Der Bezirk fördert diese Qualifizierung zum Genesungsbegleiter, die an der „allgäu akademie“ am Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren durchgeführt wird, durch einen jährlichen Zuschuss und spielt damit als kommunale Einrichtung eine Vorbildrolle.

Der Dank von Christian Munz, der nun einer der erfolgreichen 19 Absolventen des zweiten Kurses war, galt vielen Unterstützern, machte aber vor allem deutlich, was dieses Angebot für die Menschen mit einer psychischen Erkrankung selbst bedeutet: „Arbeit ist mehr als Geldverdienen, sie beinhaltet Anerkennung der eigenen Qualitäten und schafft soziale Kontakte.“ Denn im Idealfall sollen die ausgebildeten Genesungsbegleiter ihre Erfahrung beruflich einsetzen können - „im psychiatrischen Bereich, aber auch in der Privatwirtschaft“, betonte Bezirksrätin Barbara Holzmann bei der Abschlussveranstaltung für den Kurs im Saal Donau des Bezirks Schwaben. Erfahrung sei ein unschätzbarer Wert - und durch „EX-IN“ hätten Psychiatrieerfahrene die Chance, diesen Wert zu nutzen, ihr Wissen auf Augenhöhe mit Mitarbeitern im sozialen Bereich einzubringen. Das Wissen könne jedoch auch im Sinne der Prävention in der allgemeinen Wirtschaft eingesetzt werden: „Es gibt immer mehr Menschen, die im Laufe ihres Arbeitslebens erkranken - betriebliche Genesungsbegleiter wären hier die geeigneten Experten, die zur Prävention beitragen könnten.“ Ein entsprechendes Angebot werde derzeit in Schwaben entwickelt.

Neben Christian Munzer berichteten auch Sabine Eißeler, Arno Gutmair und Elena Asnis eindrucksvoll von ihrer EX-In-Qualifikation und den dabei gewonnenen Erfahrungen. „Es gibt Lücken im Versorgungssystem, die durch die Genesungsbegleiter geschlossen werden können“, so Elena Asnis, „und die Betroffenen erhalten dadurch eine neue Chance, berufstätig zu werden.“ Denn bei allem Verständnis, den professionelle Mitarbeiter in den Einrichtungen psychisch Erkrankten Menschen entgegenbringen - die Nöte eines psychisch Kranken versteht am besten, wer sie selbst erfahren hat. So steht über EX-IN der Leitsatz: „Willst Du etwas wissen, so frage einen Erfahrenen und keinen Gelehrten.“

  • Ab Juni 2016 wird der dritte EX-IN Kurs angeboten. Informationen dazu finden sich auf der Internetseite der „allgäu akademie“: www.allgaeu-akademie.de