
Bulimie-Pädagogik muss weg
Bildungspolitischer Sprecher der Bayern SPD in Günzburg
Günzburg: Voll besetzt war die große Terrasse des Günzburger Naturfreundehauses als die Ortsvorsitzende Simone Riemenschneider den bildungspolitischen Sprecher der Bayern SPD Hans-Ulrich Pfaffmann zum erstmals veranstalteten Sommergespräch der Günzburger SPD begrüßte.
Und Pfaffmann enttäuschte die Anwesenden, die seine Ausführungen immer wieder mit Beifall unterbrachen, nicht. Pointiert, mit treffenden Vergleichen und konkreten Zahlen rechnete er mit der derzeitigen bayerischen Bildungspolitik ab. „Die immer weiter fortschreitende Ökonomisierung unserer Schulen“ ist für ihn ein zentrales Problem. Schule muss mehr sein als ein Vorhof der Wirtschaft, sie muss ‚Lern- Erfahrungs- und Entwicklungsort sein, so sein Credo.
Deshalb brauche Schule, so eine zweite Hauptaussage, „wieder mehr Zeit“, da es wichtiger sei, Schüler gründlich auszubilden und individuell zu fördern, „statt sie möglichst schnell durch die Schule zu peitschen“. Pfaffmann machte auch klar, dass das dreigliedrige Schulsystem für ihn keine Zukunft habe. Kaum ein europäisches Land habe noch ein solches System und selbst das urkonservative Südtirol sei jetzt dabei, sich davon zu verabschieden. Die Dreigliedrigkeit sei auch nicht pädagogisch, sondern ausschließlich politisch und ideologisch begründet. Es stünde dabei die soziale Auslese und nicht die Neigungen und Eignungen des einzelnen Kindes im Vordergrund.
Pfaffmann verwies auch darauf, dass „Nachhilfe in Deutschland inzwischen zu einem riesigen Wirtschaftszweig geworden sei, in dem 4 Milliarden Euro umgesetzt werden. „Wo bleiben die Kinder der Eltern, die sich das nicht mehr leisten können?“, fragte er.
Pfaffmann plädierte dafür, bei aller notwendigen Strukturdiskussion die Sorgen und Nöte der heutigen Schüler und Lehrer nicht zu vergessen. „Es darf in unseren weiterführenden Schulen keine Klassen über 25 Schüler und in den Grundschulen über 20 Schüler geben“, stellte er fest und wich auch der Frage nach der Finanzierung nicht aus. Eine solche Reform sei finanzierbar, weil durch den demographischen Wandel schon in den nächsten Jahren Kapazitäten frei werden, die man nützen könne. Die bayerische Staatsregierung nützte dies allerdings um im Schulbereich massiv zu sparen und wolle dies durch einige Taschenspielertricks kaschieren. Außerdem seien die nicht eingeplanten Steuermehreinnahmen in Bayern in den letzten Jahren so hoch, dass sich eine vernünftige Schulpolitik bei entsprechendem politischem Willen in Bayern finanzieren lasse.
Scharf kritisierte Pfaffmann auch die heutige Pädagogik, die er als „Bulimie-Pädagogik“ bezeichnete. Zuerst wird den Schülern der Stoff hineingestopft und nach der Schulaufgabe oder Prüfung wird er gleich wieder ausgekotzt, weil die Schüler nicht wissen, warum sie was lernen.
Kombiklassen ablehnen
In der Diskussion sprach SPD-Landtagskandidat Stephan Hankl die Frage der so genannten Kombiklassen, die im Landkreis derzeit an mehreren Orten aktuell ist, an. Für Pfaffmann sind sie, so wie sie in Bayern eingeführt werden, reine Sparmodelle auf dem Rücken der Kinder und Lehrer, die entschieden abgelehnt werden müssen.
Als pädagogisches Element können sie für den SPD-Bildungsexperten in bestimmten Fällen durchaus sinnvoll sein, dann aber „zielgerichtet eingesetzt und entsprechend ausgestattet.“
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Bildungspolitik
Lieber Kenilej, Sie sollten nicht schwarz sehen. Auch nach der Wahl wird die Welt nicht untergehen, gleich welches Ergebnis die SPD bekommt. :-)
Ich weiß nicht, wo ich über zwei Dr-Titel geschrieben habe. Sie müssen sich da irgendwie täuschen. In meinem Profil steht lediglich, dass ich Medizinstudent bin. Wenn ich mich recht erinnere, waren die Dr-Titel von einem Mitschreiber, jedoch nicht von mir.
Ich möchte weder boshaft noch polemisch sein. Deswegen versuche ich, sachlich zu bleiben. Ob mir das gelingt, das können Sie gerne beurteilen. Was den individuellen Einsatz der Lehrer betrifft...da gebe ich Ihnen absolut Recht. Sicherlich ist eine Schule nur so gut wie ihre Lehrer. Aber auch Elternbeiräte, Schulangestellte usw. zeigen da teilweise ein wirklich tolles Engagement. Auf jeden Fall. Und das ist wirklich mehr als nur begrüßenswert. Aber um zur Politik zurückzukommen...warum sind Lehrer, Beiräte usw. in den rot regierten Ländern nicht so engagiert? Können Sie mir darauf auch eine Antwort geben? Ich glaube schon, dass das damit zu tun hat, dass die CSU in Bayern ihre Hausaufgaben gemacht und einiges richtig gemacht hat.
Freundliche Grüße
Stephan Schwarz
Kommentar S.Schwarz
Ein weiterer Fehler ist es Leute im Internet schlecht zu machen nur weil sie einer Konkurrenz Partei angehören. Jeder Mensch hat das Recht es zu versuchen egal welcher Partei er angehört. Ich würde sie Hr. Dr.Dr.Schwarz auch nicht unbedingt in die Bildungspolitik lassen
Mfg
Schwarzseher
Wenn bayerische Schulen bei Pisa ganz vorn liegen, muß dies nicht zwangsläufig auf die Landesbildungspolitik zurückzuführen sein. Vielleicht liegt es einfach nur am individuellen Einsatz der Schüler und des persönlichen Engagement der Lehrer.
Den Ausführungen des Herrn Pfaffmann kann ich nur beipflichten.
Die Äußerungen des Herrn Schwarz zum Beitrag sind unangemessen, billigste Polemik und unterste Schublade.
Sie mögen ja recht
Sie mögen ja recht haben...aber warum sind dann die Lehrer, Eltern und Schüler in anderen Bundesländern nicht so aktiv und engagiert? Für mich ist es offensichtlich, dass die Landespolitik hier wohl die Rahmenbedingungen richtig gesteckt hat. Wenn die Landespolitik keinerlei Einfluss hätte - so wie Sie das in Ihrem Kommentar schreiben - dann müssten wohl alle Länder gleich sein.
Fakt ist jedoch, dass Bayern hier unter CSU-Regierung an der Spitze liegt. Das muss nicht jedem gefallen, ich find's aber gut.
mfg
Stephan
Natürlich hat Herr Hankl
Natürlich hat Herr Hankl das Recht auf eine Kandidatur. Das hat ja niemand bezweifelt. Immerhin leben wir in einer Demokratie und da ist es Natur der Sache, dass das jeder darf. Entscheiden werden die Wählerinnen und Wähler. Und ganz gleich wie das auch immer ausgeht, dieses Votum akzeptiere ich.
Mir geht es doch auch überhaupt nicht darum, Herrn Hankl schlecht zu machen. Mich stört halt lediglich, wenn so dermaßen komisches Zeug in einer Sprache von "Kinderkrebs" und "Bulimie-Pädagogik" verbreitet wird. Damit kann und will ich mich nicht anfreunden. Das zielt NUR auf Emotionalisierung und bremst eine sachliche Diskussion zwischen beiden Seiten aus. Gerade aber diese sachliche Diskussion wäre es doch, die uns beide voranbringt.
Ich habe darüber hinaus noch keine Antwort bekommen, wo sich die SPD-Länder in der PISA-Statistik befinden. Nur einfach auf unsere bayerisches System draufzuhauen ohne zu sehen, dass unsere Schülerinnen und Schüler schlichtweg gut ausgebildet werden, das greift m.E. zu kurz. Ich glaube auch, dass die Wählerinnen und Wähler das sehr wohl durchschauen.
Haben Sie sich schon mal
Haben Sie sich schon mal überlegt, auf welchen Rängen in der PISA-Wertung die SPD-regierten Ländern rangieren?
Bayern ist hier auf alle Fälle im Spitzenfeld, die SPD-Länder krebsen irgendwo unter "ferner liefen". Sicherlich! Es gibt immer Verbesserungsbedarf, das ist unbestritten. Aber die Bildung unserer Kinder einem SPD-Politiker überlassen, das ist mit Sicherheit ein Fehler, den man nicht machen sollte.
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