
Kinderkrebs um Atomkraftwerke: Auch Bundesamt für Strahlenschutz weist SSK-Aussage zurück/IPPNW zweifelt an Seriosität der Strahlenschutzkommission
Die IPPNW (Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte
für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung, www.ippnw.de) fordert Bundesumweltminister Sigmar Gabriel dazu auf, die bestehenden Strahlenschutzgrenzwerte an den tatsächlichen Stand des Wissens über Niedrigstrahlung anzupassen und hierbei das Vorsorgeprinzip anzuwenden, wonach im Zweifelsfall Grenzwerte drastisch abzusenken sind.
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Die Meinung, dass radioaktive Strahlung "grundsätzlich nicht" oder dass Strahlung nicht kausal mit dem Anstieg des Erkrankungsrisiko in Zusammenhang stehe, "werden allerdings vom BfS in dieser Stringenz nicht geteilt", so das BfS. Es falle schwer nachzuvollziehen, auf welcher fachlichen Grundlage "ein Umweltfaktor mit nachgewiesenen leukämogenem bzw. karzinogenem Potential wie Strahlung" von der weiteren Diskussion "grundsätzlich" ausgeschlossen werde "und stattdessen über unbekannte Umweltfaktoren spekuliert wird", monieren die Fachleute des Bundesamtes für Strahlenschutz.
Die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW hält es für abwegig, die nachweislich krebsauslösende Wirkung inkorporierter radioaktiver Partikel in Frage zu stellen, wie es der Tenor der SSK-Stellungnahme impliziert. "Wir haben massive Zweifel an der Unabhängigkeit der Strahlenschutzkommission", so Reinhold Thiel von der IPPNW. "Die SSK-Stellungnahme ist nicht seriös."
Nach Auffassung der IPPNW geht es nicht an, dass der Vorsitzende der Strahlenschutzkommission, Professor Dr. Rolf Michel, Journalisten gegenüber behauptet, als Ursache kämen Pestizide in Betracht, obwohl das Mainzer Kinderkrebsregister, das die Kinderkrebsstudie (KiKK-Studie) durchgeführt hat, mit einer zusätzlich durchgeführten Fall-Kontrollstudie Pestizide als Ursache verneint hat. "Herr Michel hat mit seinen Äußerungen gegenüber der Öffentlichkeit eine Grenze überschritten. Mit seriöser Wissenschaft hat das nichts zu tun", so Thiel.
Die IPPNW kann auch das Verhalten des Vorsitzenden der zuständigen SSK-Arbeitsgruppe, dem Strahlenbiologen Professor Dr. Wolfgang-Ulrich Müller von der Universität Essen, nicht nachvollziehen. "Herr Müller kann nicht einerseits in der aktuellen SSK-Stellungnahme die Radioaktivität aus Atomkraftwerken als Ursache für die Krebserkrankungen mit Sicherheit ausschließen, andererseits aber auf dem 13. Deutschen Atomrechtssymposium im Dezember 2007 erklären, dass man das wirkliche Ausmaß des Krebsrisikos im Dosisgrenzwertbereich unseres Strahlenschutzsystems überhaupt nicht kenne", kritisiert Henrik Paulitz, Atomenergie-Experte der IPPNW. Professor Müller habe zudem auf einem Fachkongress des Bundesumweltministeriums am 19. Juni 2007 in Berlin ausführlich dargelegt, über welche biologische Mechanismen selbst niedrigste Strahlendosen zu Krebs führen können, so Paulitz. "Es ist nicht hinnehmbar, dass Herr Müller in der SSK-Stellungnahme auf diese Forschungsergebnisse mit keinem Wort eingeht."
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