
Wie der Joschi(Schranz) in Murnau die Politikerlarven gschnitzt hat
| Was ? | Maskenausstellung |
| Wann ? | 4 Januar, 2010 - 21:39 |
| Wo ? |
maskenmuseum 86420 diedorf - lindenstraße 1 |
"Wann der Joschi (Schranz) aus Murnau die Politikergrend geschnitzt hat"
( Über 30 Maskenkarikaturen vom Hobbyschnitzer Josef Schranz, dem Kioskbetreiber am Bahnhof Murnau im Diedorfer Maskenmuseum).
Alle sind sie durchgekommen mit dem Zug von der Landeshauptstadt München ins sonnige Werdenfelser Bergland. Alle Politiker , auch unser seeliger Landesvater Franz Josef mehrfach in den 60-ger und 70-ger Jahren, auch als er dem Altbundeskanzler Adenauer die Zugspitz zeigen wollte. Aber "aus´gstiegen" sind sie in Murnau meist nicht. Sonst hätten sie dort beim Joschi im Bahnhofskiosk vielleicht "a Wiener mit Senf "oder gar a echte "Münchner Weisswurscht" bekommen. Weil der sich da gar so "gfreut hätt", hätt der ihnen , den noblen Herren vielleicht sogar die "Brezn" vom Bäcker nebenan "gar no ummasonst" mit dazu gegeben. Er hätte sie nämlich so "gfreut", weil er jetzt endlich "noamal" seine Larven unter der Theke hätte herausholen können , die er nach den Titelseiten der Illustriertenblätter in der langen Zeit zwischen morgens und abends, wo niemand am Bahnhof durchkam, weil da ja niemand nach München gependelt ist, geschnitzt hat. Immer wieder hat er es versucht, den Adenauer, dieses ausgemergelte Gesicht, nach der karikierenden Zeichnung auch plastisch hinzu kriegen. Aber immer wiederhat er sich gesagt, daß da noch was viel besser zu machen wäre. Ungeduldig war er halt ein wenig und deswegen hat er den Adenauer auch schon immer gleich angemalt, damit er genauso bunt ist ,wie in der Zeitung.. Aber der hat dann doch immer ein wenig anders "ausgschaut" als auf den Fotos, wenn er ihn dann hin und her gedreht hat zwischen seinen schrundigen Fingern. Der Joschi hat alle Masken selber geschnitzt.Mit dem einem scharfen Meisel hat er zunächst das "Gsicht" aus einem der vielen Lindenholzblöcke, die hinten neben dem Brennholz am Kiosk aufgeschichtet waren, herausgeschnitten. Den hat er sich noch selber über dem Schleifstein immer gewetzt und dann hat er ihn mit dem alten Lederriemen, den ihm der alte Friseur geschenkt hat abgezogen. Immer schön tief die Wangenknochen beim Altbundeskanzler stehen lassen und bei den Backen in die Tiefe gehen. Der lange große Mann aus Köln war noch im Krieg gewesen und ausgezehrt nach Hause gekommen. Wie der "joschi", der hat als ihn die Amis gekriegt haben, auch nicht viel zu essen gekriegt. Aber als er dann seinen ersten Holzlöffel für die magere Kost geschnitzt hatte, da wollten plötzlich alle Gefangenen so ein edles Essbesteck. Da schmeckt auch die Wassersuppe viel besser und hält länger aus, wenn man sie nicht einfach hineinschütten muß, sondern mit dem Löffel geniesen kann. Da hat er in der langweiligen Zeit in Gefangenschaft immer mehr und besser zu schnitzen gelernt. Aber eigentlich war im das Schnitzen fast schon in die Wiege gelegt, weiß eine seiner 3 Töchter, die Maria Martin, zu erzählen. DerMutter hat er als Kind ein Holzvögerl geschnitzt ,das dann so lebensecht aussah, daß die Oma meinte, man solle das arme Tier doch durch´s offene Fenster in die Freiheit entlassen. Doch mit dem Adenauer tut er sich doch etwas schwerer. Mit einem abgebrochenen und als Kerbschnittklinge neu zu geschliffenen Küchenmesser hat er dann die vielen Runzeln ins Gesicht geschnitten, die Kummerfalten des Altkanzlers. Dann ging es an´s Aushöhlen: Nachdem er früher oftmals so eine Maske ruiniert hatte und dann ganz totunglücklich war, weil er mit seinen schlechten Eisen einfach innen zu viel herausgeschnitten hat und man durch die Maske dann einfach durchsehen konnte, hat ihm ein reicher Sponsor dann doch aus der Amalienstraße in München, da wo die ganzen Geschäfte für die Studenten an der Kunstakademie sind so ein echtes Bernereisen, so ein teures Hohleisen mitgebracht und damit schneidet er das harte Lindenholz wie Butter raus aus der "Lorven". Dabei hält er Maske nur zwischen den Knien und Schenkeln,die er fest zusammen presst, so daß die Maske nicht aus kann, wenn er aus ihrem Inneren die Holzspäne heraus schnellen läßt. Der "Joschi" braucht keinen "Klüppel", keinen Holzhammer. Nur mit der Kraft seiner rechten Hand schält er die Späne ab, während seine Linke für die richtige Drehbewegung sorgt. So geht´s viel leichter. Wenn man das mit der Drehbewegung mal raus hat, ist Schnitzen ein Kinderspiel. Der Physik-lehrer aus der Landeshauptstadt, der hier immer in Sommerfrische ist wegen seiner Raucherlunge hat ihm das mal erklärt dem "Joschi": Arbeit ist Kraft mal Weg und gesagt, daß die Messerschneide so einen längeren Weg gehen muß und so auch weniger Kraft gebraucht wird. Verstanden hat er das so nicht ganz, aber funktionieren tut es so halt wirklich gut. Und deswegen hat er den Adenauer jetzt auch schon ausgehölt. Jetzt fehlet nur noch die Bemalung und die Löcher für den Hosengummi, den man dann hinten am Kopf schon etwas ausgedehnt, dann zusammen bindet, damit die Maske nicht vom Gesicht fällt. Das läßt er aber für heute sein und lässt die Maske unter die Theke rollen. Viel lieber würde er jetzt heute noch den Strauss versuchen, da ist so eine Karikatur auf der Titelseite im Spiegel. Da hat der Franz Josef so ein breites Gesicht und große abstehende Ohren...so ein richtiger Lausbub eben. Der Joschi hört aber jetzt den Pendlerzug aus München kommen. Es ist doch schon wieder schnell abend geworden. "Dann eben morgen "denkt er. Da war ja auch noch die "Callas", die er gerne mal aus Holz lebendig machen würde, obwohl er sich an Frauen sonst nicht so hintraut. Da gibt es weniger an Falten für sein Kerbschnittmesser rein zu schneiden. Das wird es wohl vor Allem sein, meint er. Der Zug ist eingefahren. Die Reisenden stellen sich gern noch ein bisschen an sein Kioskfenster, wenn sie müde aus dem Zug steigen. Der Joschi ist immer ganz gespannt, was sie so in München erlebt haben, obwohl sie ja jeden Tag meist das gleiche tun müßen... tauschen möchte er da nicht, denkt er sich da immer. . Wenn sie bei einem Bier oder einem Jägermeister bei ihm an seiner " Bar" stehen, dann erzählt er ihnen auch gerne, was er im "Stern" oder im "Spiegel" gelesen hat und zeigt ihnen den Adenauer. Vielleicht können sie ihm ja ein wenig weiterhelfen.
Nachsatz: Ich habe den Joschi am Bahnhof in Murnau zwar noch selber kennen gelernt, als ich als 18-jähriger vor 40 Jahren im dortigen Unfallkrankenhaus meinen Friedensdienst bei den Querschnittgelähmten ab geleistet habe. Kunst wollte ich ja vielleicht auch schon damals studieren , oder Medizin, weil ich den Leuten im Krankenhaus gerne allen geholfen hätte. Aber der Joschi wahr mir einfach mit seiner "Kunscht"nicht modern genug, so daß wir nicht viel mehr als ein, zwei Worte mit einander geredet haben. Und so habe ich mir einiges einfach nur so zusammen "gedenkt" Er hat auch nicht gemeint, daß er ein "Künschtler" sei, so ein Akademiker. Aber ein prägender Mensch in meinem Leben ist er wohl schon gewesen, weil ich heutzu tage auf der Suche nach solchen aktiven älteren Schnitzern und ihren Masken viel im Alpengebiet herumreise und in die hintersten Täler schaue, um aus ihrer Erfahrung heraus alte Alpenbräuche in Erfahrung zu bringen und auf zu schreiben.
-
von Gast zum Beitrag: „Begleiteter Umgang - Kinder brauchen beide Eltern“- das Thema beim Alleinerziehenden-Treff
wenn ein solch heikles Thema in geschlossener Gesellschaft behandelt wird. Den derweil draußen verwe ... » mehr -
von Gast zum Beitrag: BAB A 8 - Höhe Anschluss Günzburg: LKW brennt / Autobahn gesperrt
Hab aber auch einen dumpfen schnall gehört und der himmel war rot dachte schon es sei wieder wanzl » mehr -
von Gast zum Beitrag: Zucker für die Kleinsten: Wie Hipp mit seinen Instant-Tees Eltern verschaukelt - E-Mail-Aktion von foodwatch: Hersteller soll Produkte aus dem Sortiment nehmen
“Our kids are already sweet enough, they don’t need more sugar”, schrieb Prof. Walter Willett, Vorsi ... » mehr -
von Erika-Leipheim zum Beitrag: Renaissance-Picknick
Nachtrag vom 04.05.2012: Leider muss das Renaissance-Picknick wegen der schlechten Wetterprognose ab ... » mehr

Schreiben Sie einen Kommentar